WESER KURIER
Montag, den 04. Februar 2013 um 00:00 Uhr

...Ervis Gega, faszinierte mit energischem, durchsetzungsstarkem Strich und temperamentvoller Ausgestaltung, bei der spielerische Leichtigkeit und tielgründige Entwicklung des thematischen Materials bestens miteinander verquickt waren...Die transparent ausgeführten, melodischen Linien…bestachen mit kompromissloser Aussagekraft....Die spieltechnische wie interpretatorische Kompetenz...,zu hören in den brillanten Kadenzen,  wurde mit der Zugabe..., eindrucksvoll bestätigt.

 

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Mozart pur

Klassische Philharmonie Bonn interpretiert „Wiener Klassik"

 

VON  GERO KLINGENBERG

Bremen. Ausschließlich Mozart gewidmet war das vorletzte Konzert der Reihe „Wiener Klassik“, dargeboten von der Klassischen Philharmonie  Bonn unter der gewohnt souveränen Leitung ihres Dirigenten Heribert  Beissel. In der Serenata notturna  KV  239, mit  einer  Besetzung aus Streichorchester und Soloquartett am Concerto grosso orientiert, entwickelte sich ein lebendiger Dialog zwischen beiden wetteilenden Gruppen. Stets auf Leichtigkeit  und Eleganz bedacht gefiel besonders das Rondo mit seinem ruhigen Mittelteil, aus dem heraus ein heiter beschwingter Finalpart gehörig Fahrt aufnahm.

Mozarts g-Moll-Sinfonie Nr.40 ist hingegen von eher eingetrübter Stimmung geprägt. Dennoch ging das Orchester reichlich schwungvoll  zu  Werke und ließ im Kopfsatz nur kurze dramatische Ausbrüche  erkennen. Im Andante kamen die Bläser als tragendes Element mit  feiner Klangfarbigkeit  zur Geltung.  Spannungsmäßig blieb der Satz jedoch im Mittelmaß: Die dynamischen Kontraste hätten durchaus in­ tensiver ausgereizt werden können. Beim Menuetto mit seinen heftigen  Dissonanzeinwürfen war ein deutlich höheres Maß an Aufbegehren und  Ruhelosigkeit  spürbar. Aber ungeachtet seiner technisch makellosen Ausführung wirkte es ebenso wie das Schluss-Allegro in seiner  Gesamtheit allzu gleichförmig  aneinandergereiht. Etwas stärker  variierte Tempi und klare Einschnitte wären als spannungsfördernde Mechanismen sehr wohl denkbar gewesen.

Für einen  ausgeprägten  Ohrenschmaus sorgten hingegen die Solisten bei der Sinfonia concertante Es-Dur KV 364.  Ervis Gega, bislang zumeist  als Konzertmeisterin des Orchesters in Erscheinung getreten, faszinierte mit energischem, durchsetzungsstarkem Strich und temperamentvoller Ausgestaltung, bei der spielerische Leichtigkeit und tiefgründige Entwicklung des thematischen Materials bestens miteinander verquickt waren. Gleiches galt für den Bratschisten Lech Antonio  Uszynski, der als absolut  ebenbürtiger Partner fungierte. Die transparent ausgeführten, häufig imitierenden melodischen Linien beider  Streicher bestachen  mit  kompromissloser Aussagekraft und dominierten klar die orchestralen Anteile. Die spieltechnische wie interpretatorische Kompetenz der Solisten, zu hören in den brillanten Kadenzen, wurde mit der Zugabe der Passacaglia von Halvorsen, eindrucksvoll bestätigt.

 

Text: Weser Kurier, 04.02.2013