NEUE WESTFÄLISCHE
Samstag, den 02. Februar 2013 um 00:00 Uhr

...Ervis Gega ist hier als namhafte hervorragende Geigenkünstlerin bekannt...In gewohnt mitreißender Musikalität zeigt sie ihre Stimulanzien. Ihr oben sinnlich funkelnder ...Geigenton mit makelloser (Bogen-)Technik und Phrasierungs-Finish...verschmilzt zu wundervoller...Gleichgestimmtheit in drei Sätzen voll tonperlender Eleganz und sanglicher Vertiefung.

 

Harmonie im Wettstreit

OETKERHALLE: "Wiener Klassik" mit einem reinen Mozart-Programm
 
VON MICHAEL BEUGHOLD
 
Klanglich hohes Niveau | FOTO: ANDREAS FRÜCHT
 
 
Bielefeld. Reine Mozart-Programme erfreuen in der beliebten "Wiener Klassik"-Reihe in der Oetkerhalle des Öfteren und im Besonderen. Diesmal hatten die von Orchesterchef Heribert Beissel als Gattungs-Dreiklang gewählten Vorlagen alle etwas Superlativisches an sich.

Zu hören waren die intimste Serenade, die populärste und zugleich wohl schönste und tiefste Mozart-Sinfonie (die "große g-Moll" nämlich) und als Herz- und Glanzstück des Abends mit der Sinfonia concertante Es-Dur KV 364 sein klangsinnlichstes Solistenkonzert.

Davon, wie Mozart in dieser Pariser Alamode-Zwischengattung den Klang von Violine, Viola und Orchester zu einem unvergleichlich eigenen Werk-Ton aus Festlichkeit, Beseeltheit und Bravour gefügt hat, kann man nur schwärmen. Zumal die diesmal orchestereigenen Solisten besser nicht sein konnten. Konzertmeisterin Ervis Gega ist hier als namhafte hervorragende Geigenkünstlerin bekannt und hatte im Solobratscher Lech Antonio Uszynski einen jeder Zoll ebenbürtigen Partner.

Klangbewusste Einfühlsamkeit

In gewohnt mitreißender Musikalität zeigt sie ihre Stimulanzien. Ihr oben sinnlich funkelnder Gragnani-Geigenton und die Noblesse seiner Stradivari-Bratsche verschmelzen mit makelloser (Bogen-)Technik und Phrasierungs-Finish zu wundervoller dialogischer Gleichgestimmtheit in drei Sätzen voll tonperlender Eleganz und sanglicher Vertiefung. Die klangbewusste Einfühlsamkeit der Bonner Orchesterkollegen blieb ihrem Konzertieren sinfonisch nichts schuldig, so dass man die, den Gattungsbegriff wortwörtlich genommen, "Harmonie im Wettstreit" in einer perfekten Wiedergabe genießen konnte. Die als "eine Passacaglia" angekündigte Duo-Zugabe dürfte vom norwegischen Spätromantiker Johan Halvorsen frei nach Händel gewesen sein. Auf jeden Fall wurde sie in erzgeigerischer Virtuosenlust serviert und bekräftigte die Klasse der zu Recht gefeierten Mozart-Solisten.

Die eingangs erklungene "Serenata notturna" KV 239 verblasste nun vollends, weil bei aller gekonnten Tondelikatesse und Musizier-Leichtigkeit vom immer wieder melodieführend aus der Concerto-grosso-Auffächerung hervorlugenden Vize-Vorgeiger doch allzu brav angestimmt.

Über Größe und Tiefe der g-Moll-Sinfonie KV 550 ist sich die Musikwelt einig, aber konträr uneins über ihr tönendes Naturell. Was für einen selbst bei Mozart vergleichslosen schmerzlich-schönen Schwebezustand von Melancholie, Resignation, entspannter Grazie und radikaler Auflehnung spricht. Routiniert sollte eine Wiedergabe des Gipfelwerks nicht klingen.

Heribert Beissel machte mit seiner "Klassischen Philharmonie Bonn" auf klanglich untadelig hohem Niveau alles richtig. Die beflissene Genauigkeit und Politur seiner musikalischen Nachzeichnung überzeugen, transzendieren aber nicht. Da fehlte ob im temporeich pulsierenden Bewegungsschwung des Kopfsatzes, im Aufspannen des kontrapunktisch feingesponnenen Andante, im ruppigen Aufkanten des Menuetts oder im Gefühls-Feuerwerk des an einem bipolaren "Raketen"-Thema entzündeten Finalsatzes das entscheidende Quäntchen über die nur schöne Umsetzung hinaus. Bei der Zugabe eines beschwingt-spielfrohen Streicher-Divertimentos waren die Gäste ganz in ihrem Element.

http://www.nw-news.de/owl/bielefeld/westen/oetkerhalle/7801821_Harmonie_im_Wettstreit.htm