ALLGEMEINE ZEITUNG MAINZ
Samstag, den 26. Februar 2011 um 09:00 Uhr

DIE MIT DER GEIGE TANZT

PORTRÄT: Die Violinistin Ervis Gega

Es ist Frühling. Zum Greifen wahr, zum Fassen nah. Es ist Frühling im Konzertsaal. Wir befinden uns im Wiesbadener Kurhaus - Gastspiel der Klassischen Philharmonie Bonn mit der Geigerin Ervis Gega als Solistin. Auf dem Programm steht Antonio Vivaldis „Frühling“ mit Sturm und Donner. Ervis Gegas Solo ertönt wie ein Blitz, bevor die anderen Vogelstimmen in einem Violintrio, wie ein Tanz mit dem Wind, das Thema beenden. Wie aus einem Traum erwacht die Sologeigerin und blickt von der Bühne auf die Zuschauer: „Ich kann ohne Bühne nicht leben“, scheinen ihre Augen zu sagen.

Mit acht Jahren schon auf der Bühne

Doch der Weg zur Bühne ist kein leichter und bedeutet Disziplin und Opfer. Mit acht Jahren stand Eivis (so hieß sie, bevor ein Fehler in den deutschen amtlichen Formularen den albanischen Vornamen in Ervis änderte) schon auf der Bühne mit dem Violinkonzert e-Moll von Mendelssohn. „Üben, üben, üben“ ist die Antwort der Sologeigerin auf die Frage, welche Kindheitserinnerungen sie denn geprägt hätten. Doch heute ist die Ausnahmegeigerin ihren Eltern sehr dankbar: „Sie waren wunderbare Lehrer.“ Aus einer bekannten albanischen Musikerfamilie stammend, wurde ihr zwar die Musik in die Wiege gelegt, doch „Talent, Ehrgeiz, fleißiges Üben und Disziplin sind sehr wichtige Begleiter auf dem Weg zum Erfolg“.

Die, die mit der Geige tanzt, ist nicht nur eine ausdrucksstarke Violinistin, die auf der Bühne an eine Opernsängerin erinnert, Ervis Gega wird auch als technisches Genie gepriesen. Dafür sprechen ohne Zweifel die zahlreichen Auszeichnungen. Die Musikerin ist unter anderem Preisträgerin des International Yfrah Neaman Violinwettbewerbs in Deutschland, der Emily English Award, der Ian Fleming Award und des Pecsai Price.

Die Sologeigerin unterrichtet am Mainzer Peter-Cornelius- Konservatorium sowie an der Musikhochschule Mainz. Sie leitet ebenfalls Meisterkurse bei der Landesmusikakademie Rheinland-Pfalz bei der Villa Musica und ist Dozentin beim Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz. „Technik ist eine Sache der Motorik. Gute Technik erlernt man nur durch Üben, daran geht kein Weg vorbei“, beteuert die Dozentin. Doch: „Musik ist etwas Intimes, und um Musik zu lehren, muss eine seelische Verbindung entstehen. Man muss die Sprache des Herzens sprechen. Es geht um Gefühl und Offenheit, und das verbindet mich mit meinen Schülern“, erzählt die Violinistin.

Botschafterin der albanischen Nation

Seit mehreren Jahren ist Ervis Gega auch Konzertmeisterin der Klassischen Philharmonie Bonn. „Die Zusammenarbeit mit unserem Dirigenten Heribert Beissel genieße ich ganz besonders, und ich bin sehr dankbar für die Motivation, die ich durch seine Unterstützung erfahren darf“, erzählt sie. Die Künstlerin bezeichnet sich als weltoffen, doch ihr „Herz ist in Mainz“, auch wenn sie mit ihrem Mann und dem 16-Monate-alten Sohn zum Teil in Bonn lebt. Als „Botschafterin der albanischen Nation“ ausgezeichnet, spricht Ervis Gega „die einzige Weltsprache“, die Musik, die Sprache, die sie mit Menschen aller Kulturen immer wieder verbindet.

Die junge Mutter lebt im Hier und Jetzt und führt trotz einem vielfältigen und gut gefüllten beruflichen Terminkalender ein glückliches und ausgeglichenes Leben. Sie genießt die Präsenz ihres Mannes, der sie so oft wie möglich begleitet. Ihr größter Wunsch: „Alles soll so bleiben, wie es ist!“

Von Francette Kurt

http://www.allgemeine-zeitung.de/region/kultur/musik/10278760.htm